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Geldanlage mit wikifolio.com

In letzter Zeit ergab sich in Gesprächen mehrmals die Frage: Wohin mit meinem Geld in Zeiten von Nullzinsen? In diesem Eintrag möchte ich eine halbwegs passive Möglichkeit vorstellen, die ich bereits selbst ausprobiert habe.

Unternehmen

Wikifolio wurde 2008 in Wien aus eigener Not von einem Mathematiker erfunden. Drei Jahre später konnte der Gründer, der zugleich geprüfter Börsenhändler ist, den Handelsblatt Konzern als Gesellschafter gewinnen. Seit Herbst 2012 können die Produkte von wikifolio.com öffentlich in Deutschland gehandelt werden, bis 2015 wurden auch Österreich und die Schweiz erschlossen. Lang & Schwarz erstellt als Emissionshaus die Wertpapiere und macht diese öffentlich handelbar. Auch Online-Broker wie comdirekt, consorsbank und S Broker wurden als Partner gewonnen.

Funktion

Trader können Aktien in einem Musterdepot handeln, welches von Lang & Schwarz in einen Index umgerechnet und als Zertifikat ausgegeben wird. Dieses wird an der Börse Stuttgart gelistet und ist somit grundsätzlich bei jeder Bank handelbar. Jeder Trader erstellt so eigene Finanzprodukte, an deren Erfolg er beteiligt wird. Ein Anleger investiert in ein Wikifolio, indem er bei seiner Bank ein Depot eröffnet und das entsprechende Zertifikat kauft. Der Wert des Zertifikats entwickelt sich entsprechend dem Musterdepot bei Wikifolio, abzüglich der Gebühren.

Kosten

Der Trader und die Plattform Wikifolio werden durch eine Performance-Gebühr belohnt, die immer anfällt, wenn das Portfolio einen neuen Höchststand erreicht. Der Kurs des Wikifolios verringert sich um diese Gebühr und wird vom Anleger bezahlt, da sein Zertifikat dadurch weniger wert ist. Wichtig ist, dass diese nur auf den Kursgewinn berechnet wird und, nach Wahl des Traders, 5 - 30% beträgt. Im schlimmsten Fall macht ein Anleger also aufgrund dieser Gebühr 30% weniger Gewinn - jedoch niemals Verlust.

Außerdem wird eine Zertifikatgebühr berechnet, die bis zu 0,95% pro Jahr beträgt und anteilsmäßig täglich verrechnet wird. Alle Gebühren, die Wikifolio erhebt, sind bereits im Kurs des jeweiligen Portfolios eingerechnet und müssen nicht selber berücksichtigt werden.

Die Bank, über welche man das Zertifikat kauft, erhebt in den meisten Fällen ihre eigenen Gebühren für Depotführung und Handel mit Wertpapieren. Diese variieren je nach Bank und müssen individuell nachgeschlagen werden.

Ein großer Pluspunkt für Trader: Ein Musterdepot ist kostenlos und es fallen keine Transaktionskosten an, welche den Gewinn normalerweise deutlich schmälern.

Risiken

Die naive Herangehensweise bei der Wahl eines Wikifolios ist, Strategien herauszusuchen, welche in der Vergangenheit erfolgreich waren. Dies ist jedoch kein Anzeichen für zukünftigen Erfolg. Der Eindruck, dass es nur Gewinner gibt, wird von der Seite aktiv geschürt. So werden auf der Startseite die besten fünf Wikifolios zur Schau gestellt. Auch in der Suche erscheinen die erfolgreichsten Musterdepots zuerst. Hier lohnt es sich auch einen Blick auf erfolglose Strategien zu werfen, um die Chancen richtig einzuschätzen.

Hinzu kommt, dass die Einstiegshürde für Trader recht gering ist. Im Extremfall könnte eine ahnungslose Person zwei Portfolios mit gegensätzlicher Strategie erstellen. Zum Beispiel setzt diese in einem Portfolio auf einen steigenden Goldpreis, in einem anderen auf einen sinkenden Goldpreis. Bestenfalls hat er irgendwann ein sehr erfolgreiches Wikifolio und eines, welches übersehen wird, weil niemand nach erfolglosen Strategien sucht. Glücklicherweise bietet Wikifolio die Transparenz, alle Depots eines Händlers anzuzeigen.

Zwei allgemeinere Risiken sind das Kurs- und das Emittentenrisiko. Durch Kursschwankungen des Musterdepots können Verluste entstehen und auch die Insolvenz des Emittenten Lang & Schwarz kann bis zum Totalverlust der investierten Summe führen.

Besicherung von Wikifolio Zertifikaten

Erfahrungen

Es ist für Trader sehr einfach ein Musterdepot zu erstellen. Dieses zu pflegen finde ich aber anstrengend, insbesondere bei quantitativen Ansätzen, welche leicht zu automatisieren wären. Jeder Trade wird nur durch viele einzelne Klicks erreicht, die sich jedes mal wiederholen. Es können keine Prozentwerte eingegeben werden, sodass immer ein Taschenrechner zur Hand sein muss. Gerade bei größeren Portfolios besteht so der größte Teil des Handels aus rechnen.

Um Wikifolios investierbar zu machen muss ein Trader sich legitimieren, indem er eine Ausweiskopie an Wikifolio sendet. Dass diese an den unwichtigen Stellen (alles außer Name, Geburtsort, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit und Wohnanschrift) geschwärzt werden kann, hat wikifolio.com mir nach einer Woche Email-Verkehr zugestanden.

Leider bietet die Plattform keine Möglichkeit die Ausweiskopie über eine gesicherte Verbindung hochzulanden. Stattdessen soll diese per Email (unsicher) oder per Post (langsam) gesendet werden. Ich habe mich dafür entschieden, ein an den unwichtigen Stellen geschwärztes und mit Datum und Name der Plattform versehenes Foto per Email zu senden.

Fazit

Wikifolio hat es geschafft eine transparente Plattform für zeitgemäßes Investment zu erstellen. So muss nicht mehr auf einen windigen Anlageberater vertraut werden und die Provisionsstruktur liegt offen. Die gewählte Form birgt aber auch ihre eigenen Risiken, insbesondere die möglicherweise fehlende Qualifikation der Trader.


Meine Wikifolios

Ich habe selbst zwei Wikifolios, die sich zum Zeitpunkt dieses Posts noch in der Testphase befinden. Dabei verfolge ich unterschiedliche Strategien, zu denen auch ein Dach-Portfolio gehört.

Platzhirsche

Werden Google, Amazon und Co bald von der Bildfläche verschwinden und nur noch in Geschichtsbüchern zu finden sein? Oder werden sie ihre marktbeherrschende Stellung weiter ausbauen, um noch die letzten Ecken der Welt zu erreichen, sobald sie sich etabliert haben ihre Dienste monetarisieren und auf immer neuen Wegen (z.B. Amazon Dash, Google Cloud Platform) sowohl Mehrwert schaffen als auch satte Gewinne einfahren? In Platzhirsche gehe ich von Zweiterem aus und setzte deshalb auf große Technologieunternehmen und Online-Marktplätze. Für dieses Musterdepot haben bisher 13 Personen insgesamt 15.600 € vorgemerkt. Link zum Wikifolio

Dach Solide Trader

Mein zweites Wikifolio ist ein sogenanntes “Dach”-Wikifolio, das heißt es beinhaltet nur andere Wikifolios. Als Kandidaten kamen für mich nur Portfolios in Frage, welche eine solide Strategie verfolgten und nicht nur auf kurzfristiges, schnelles Geld ausgelegt sind. Aktiv diversifiziert sollten sie sein, also auf eine Anzahl verschiedener Wertpapiere setzen und mittel bis langfristig ausgerichtet. Außerdem sind mir treue Anleger wichtig, wie auch Strategien, die größere Verluste vermeiden oder abfedern. Nach diesen Kriterien lässt sich in der Suchfunktion von Wikifolio einfach filtern, sie werden von überraschend wenigen Wikifolios erfüllt. Für dieses Musterdepot haben bisher 9 Personen insgesamt 10.400 € vorgemerkt. Mit einem Dach-Wikifolio lässt sich das Investment komfortabel auf mehrere Trader verteilen. So sinkt das Verlustrisiko und wenn die richtigen Bestandteile gewählt wurden kann von mehreren Strategien gleichzeitig profitiert werden während die Einstiegshürde, der Preis, klein gehalten wird. Link zum Wikifolio

Danke für dein Interesse! Wer mag, kann sich hier weiter informieren:


Fragen und Antworten

Wie verdient der Trader Geld?

Wenn der Trader so handelt, dass der Index seines Portfolios einen neuen Höchststand erreicht, erhält er einen prozentualen Anteil an der Differenz zum letzten Höchststand. Diese Performancegebühr wird automatisch von den Anlegern bezahlt indem der Wert des Zertifikats entsprechend gemindert wird.

Wie verdienen die Anleger Geld?

Die Anlegerin kauft ein Zertifikat eines Portfolios. Wenn der Index des Portfolios steigt, kann sie ihr Zertifikat zu einem höheren Preis wieder verkaufen.

Wie verdient Wikifolio Geld?

Wikifolio.com erhält die Hälfte der Performancegebühr und erhebt außerdem eine Zertifikatgebühr von 0,95% pro Jahr, welche automatisch von den Anlegern bezahlt wird indem der Wert des Zertifikats entsprechend gemindert wird.


Dieser Post dient ausschließlich der Information der Leser und stellt keine Handlungsaufforderung zum Kauf bzw. Verkauf der besprochenen Wertpapiere dar. Dieser Post ersetzt nicht eine individuelle fachkundige Anlageberatung.

Author

Raffael

Studiert Wirtschaftsinformatik in Leipzig